Die Otting-Pallinger-Gruppe - Entstehung und Geschichte eines Zweckverbandes

Brunnen Sieberöd

Grossansicht in neuem Fenster: Brunnen GieglingVor der Gründung des Zweckverbandes herrschte in weiten Gebieten des heutigen Versorgungsgebietes akuter Wassermangel.

Vereinzelte Anwesen, Weiler und Ortschaften waren zum Teil zwar versorgt, Qualität und Menge aber genügten bei weitem nicht den Anforderungen. Hinzu kam eine ständig steigende Bautätigkeit, die Ausweisung von Baugebieten scheiterte aber meistens schon an der unzureichenden Wasserversorgung.

Die Errichtung von eigenen Versorgungsunternehmen überstieg die Finanzkraft der Gemeinden, sodass bereits damals in weiser Voraussicht ein Zweckverband gegründet werden sollte, der alle Versorgungsnot beheben sollte. Im Jahre 1964 war es dann soweit. Entsprechend dem Vorbild der Surgruppe, die bereits seit 10 Jahren bestand, sollte ein größerer Zweckverband geplant und ins Leben gerufen werden.

Auf Initiative des damaligen Bürgermeisters der Gemeinde Palling, Franz Schillinger, wurde eine Gründungsversammlung einberufen und die interessierten Nachbargemeinden dazu eingeladen. Das Vorhaben wurde von den Aufsichtsbehörden enorm unterstützt, sodass bereits auf dieser Versammlung der Zweckverband zur Wasserversorgung der Otting-Pallinger Gruppe aus der Taufe gehoben werden konnte. Zu den Gründungsmitglieder gehörten damals bereits die Gemeinden:

  • Asten (jetzt Stadt Tittmoning)
  • Freutsmoos (jetzt Palling)
  • Freimann (jetzt Markt Waging a.See)
  • Kirchweidach
  • Otting (jetzt Markt Waging s.See)
  • Palling
  • Pierling (jetzt Palling und Stadt Traunreut)
  • Taching a.See
  • Tengling (jetzt Taching s.See)
  • Tyrlaching

Mit Schreiben vom 21. Oktober 1964 genehmigte die Regierung von Oberbayern auf Grund der Art. 7, 9 und 11 des damaligen Zweckverbandsgesetzes den Zusammenschluss der genannten Gemeinden und erteilte ihm den Namen: "Zweckverband zur Wasserversorgung der Otting-Pallinger Gruppe". Damit waren die Weichen für den Aufbau der zentralen Wasserversorgung in dem durch die Mitgliedsgemeinden übertragenen Wirkungsbereich gestellt.

Zum Vorsitzenden wurde Herr Bgm. Franz Schillinger, Gde. Palling, als stellv. Vorsitzender wurde Herr Bgm. Georg Ertl, Gde. Freutsmoos gewählt.

Im Jahre 1967 wurde das Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft mit der Gesamtplanung für die Errichtung der zentralen Wasserversorgung beauftragt, nach zähen Finanzierungsverhandlungen konnte dann mit den Bauarbeiten im Bereich der Gemeinde Otting begonnen werden.

Grossansicht in neuem Fenster: Brunnen PallingDiese Arbeiten erfolgten noch durch die Surgruppe, da der Verband noch nicht in der Lage war, die Versorgung aus eigenen Brunnen durchzuführen. Zug um Zug erfolgte dann der Ausbau der Leitungen in Richtung Palling.

1968 wurde der bereits im Vorgriff auf den zu gründenden Zweckverband von der Gemeinde Palling abgeteufte Brunnen Palling I übernommen, damit stand der Verband in Bezug auf die Förderung auf eigenen Füßen.

Mit den Bauarbeiten in der Gde. Otting wurde auch die Versorgung in der Gemeinde Freimann errichtet.

1969 und 1971 erfolgte der Aufbau der zentralen Versorgung in der Gemeinde Palling, 1969 wurde auch der erste Wasserwart des Verbandes, Herr Anton Winkler, eingestellt.

Im August 1970 trat dann die damalige Gemeinde Heiligkreuz dem Zweckverband bei, in diesen Jahren wurden auch die Brunnen Palling II und III errichtet.

Die Baumaßnahmen in Bezug auf die Errichtung des zentralen Versorgungsnetzes wurden mit der Versorgung der früheren Gemeinden Pierling und Freutsmoos, sowie den Gemeinden Taching am See und Tyrlaching fortgeführt.

Grossansicht in neuem Fenster: Betriebsgebäude PallingIm Jahre 1972 wurde mit der Errichtung des zentralen Betriebsgebäudes in Palling am Brunnenweg begonnen.

Das Gebäude beinhaltet neben 3 Wohnungen für Betriebsangehörige, Werkstätten, Garagen und Lagerräumen auch Büros für den Wassermeister mit den Wasserwarten, So-zialräume sowie die zentrale Pumpstation mit einem Saugbehälter mit rd. 500 cbm Inhalt, aus dem das aus den Brunnen geförderte Wasser zu den Hochbehältern Siglberg und Baumham verteilt wird.

1972 trat auch die frühere Gemeinde Wald an der Alz dem Zweckverband als Mitglied bei, im Jahre 1973 wurde mit dem Ausbau der Versorgung im Gemeindebereich Kirchweidach begonnen.

Mit Wirkung vom 01.10.1973 trat auch die Gemeinde Halsbach dem Zweckverband bei und übertrug ihm das gesamte Gemeindegebiet als Wirkungsbereich für die Wasserversorgung.

Bereits 1975 konnten die Aufträge für die Weiterführung der Versorgung in den damaligen Mitgliedsgemeinden Asten und Heiligkreuz, sowie für den Restausbau in Kirchweidach erteilt werden.

Mit Wirkung vom 30. Juni 1975 schied der langjährige Geschäftsleiter des Verbandes, Herr Hans Hopf aus den Diensten des Verbandes aus. Dieser hat die Geschäfte des Verbandes seit 1957 geleitet und hatte maßgeblichen Anteil am Aufbau des Zweckverbandes. Mit Wirkung vom 1. Juli 1975 übernahm dann Herr Lorenz Reiter, die Geschäftsleitung.

Zu diesem Zeitpunkt wurden auch die Weichen für eine enge Zusammenarbeit des Zweckverbandes mit der Surgruppe gestellt.

Neben der Geschäftsleitung, die bereits seit den Anfängen der Otting-Pallinger Gruppe in einer Verwaltungsgemeinschaft mit der Surgruppe erfolgte, wurde nun auch der technische Bereich zusammengeschlossen. Die Surgruppe übernahm zu diesem Zeitpunkt auch die technische Betriebsführung.

Wenn man heute von Kostenminimierung, Verwaltungsvereinfachung und Rationalisierung durch Kooperationen spricht, muss man feststellen, dass die Verantwortlichen dieses bereits damals erkannt und bewusst praktiziert haben, zum Wohle der Abnehmer, denn eingesparte Kosten kommen ja diesen zu Gute.

1976 trat die damalige Gemeinde Kay dem Zweckverband als Mitglied bei.

Grossansicht in neuem Fenster: Hochbehälter BaumhamDer langjährige Vorsitzende Bgm. Franz Schillinger kandidiert bei der Verbandsversammlung im August 1978 nicht mehr, er hatte dieses Amt seit der Gründung des Zweckverbandes, also über 14 Jahre ausgeübt. Gerade in der schwierigen Aufbauphase bewies Franz Schillinger Weitsicht und Durchsetzungsvermögen, ohne seine Person an der Spitze des Verbandes wäre ein so rascher und erfolgreicher Aufbau trotz aller Schwierigkeiten des Verbandes sicher nicht möglich gewesen.

Zu seinem Nachfolger als Verbandsvorsitzenden wählte dann die Verbandsversammlung am 8. August 1978 den 1. Bürgermeister der Gemeinde Palling, Herrn Josef Mayr, der dann dieses verantwortungsvolle Amt bis zum Juni 2002 ausübte. Zu seinem Stellvertreter wurde der damalige 1. Bgm. der Gemeinde Kirchweidach, Gustl Maier und nach dessen Ableben der 1. Bgm. der Gemeinde Tyrlaching, Josef Miesgang bestellt. In die Amtszeit von Vorsitzenden Josef Mayr fiel dann der Ausbau des Restteiles der Gemeinde Halsbach und Teile der früheren Gemeinde Wald a. d. Alz, nun Gemeinde Garching a. d. Alz.

Ebenfalls in diese Zeit fiel der Abschluss von Lieferverträgen mit dem Markt Waging am See und der Stadt Trostberg, sowie ein Notlieferungsvertrag zur Mitversorgung der Gemeinde Tacherting.

Neben dem Ausbau des Versorgungsnetzes kamen auf den Verband in dieser Zeit noch weitere vielfältige Aufgaben zu.

Zur Versorgungssicherheit wurden die Brunnen Palling IV (Tyrlaching-Gigling) und Palling V (Sieberöd) abgeteuft und an das Versorgungsnetz angeschlossen.

Zur Sicherung des Grundwasservorkommens in den Entnahmegebieten wurde eine umfangreiche Überprüfung der ausgewiesenen Trinkwasserschutzgebiete durchgeführt. Diese Überprüfung, ausgeführt von dem Hydrogeologen Dr. Hermann Brandecker, führte zu einer Neufestsetzung der Schutzgebiete.

Grossansicht in neuem Fenster: Fernsteuerüberwachungs- und StörmeldeanlageAuf Grundlage dieser Schutz-gebietsausweisungen werden nun auch an die Landwirte im Schutzgebiet Zahlungen zum Ausgleich wirtschaftlicher Nachteile durch Beschränkungen der ordnungsgemäßen land- oder forstwirtschaftlichen Nutzung in Wasserschutzgebieten geleistet.

Zur Beratung der Landwirte, aber auch zur Überwachung der Schutzgebietsvorschriften wurde gemeinsam mit dem Zweckverband Surgruppe und den Stadtwerken Freilassing ein Schutzgebietsberater angestellt, ein Modell das bereits bei anderen Verbänden, Werken und Gemeinden viele Nachahmer gefunden hat.

Ein weiterer Schwerpunkt war der Ausbau und die Erneuerung der Fernsteuer-, Fernsteuerüberwachungs- und Störmeldeanlage des Verbandes. Sie wurde in den letzten Jahren auf den modernsten Stand gebracht und erbringt nun neben der gesteigerten Versorgungssicherheit und Kosteneinsparung auch für das Personal des Verbandes, das in der Zwischenzeit auf Grund der laufenden Vergrößerung des Versorgungsgebietes von einem Wasserwart im Jahre 1969 auf einen Wassermeister mit 4 Wasserwarten angewachsen ist, erhebliche Erleichterung.

Auch hier zeigt sich wieder der Vorteil der gemeinsamen Wartung und Verwaltung mit der Surgruppe, da die neue Steueranlage auf eine vollkommene Vernetzung der Technik in beiden Verbänden ausgelegt ist.

Grossansicht in neuem Fenster: Hochbehälter SiegelbergNach 24-jähriger Tätigkeit als Verbandsvorsitzender trat Verbandsvorsitzender Josef Mayr im Juni 2002 aus Altersgründen von seinem Amt zurück. Für seine herausragenden Verdienste um den Aufbau und Betrieb des Zweckverbandes und damit zum Wohle der Bevölkerung im gesamten Versorgungsgebiet wurde dieser auf einstimmigen Beschluss der Verbandsversammlung zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Zu seinem Nachfolger wurde der 1. Bgm. der Gemeinde Palling, Herr Josef Jahner, und zu dessen Stellvertreter der 1. Bgm. der Gemeinde Kirchweidach, Herr Robert Mooser, in der Sitzung vom 25.06.2002 gewählt.

Im Jahre 2004 konnte dann der Ausbau der zentralen Versorgung in der Gemeinde Feichten a. d. Alz, die mit Wirkung vom 01.04.2001 Mitglied im ZV wurde, abgeschlossen werden.

Erhebliche Anstrengungen ergeben sich für den Verband und das Personal auch durch die Umstellung seines Planwerkes auf ein digitales grafisches Informationssystem. Dazu müssen ca. 325 km Hauptleitungen und rd. 3.400 Grundstücksanschlüsse nach Koordinaten eingemessen, gezeichnet und am Computer bearbeitet, gespeichert und die Pläne ausgedruckt werden. Diese Arbeit wird das damit beschäftigte Personal noch über einige Jahre hinaus in Anspruch nehmen.

Eine erhebliche Investitionstätigkeit ergibt sich auch aus der laufenden Erneuerung des Rohrnetzes, der Grundstücksanschlüsse und der sonstigen Anlage. So werden pro Jahr im Durchschnitt 3 bis 5 km (ca. 1,3 %) Hauptleitungen und ca. 80 bis 100 Grundstücksanschlüsse erneuert.

Grossansicht in neuem Fenster: Hochbehälter BaumhamGroßer Wert wird vom Zweckverband auch auf die Aus- und Fortbildung seines Fachpersonals gelegt. Gestiegene Anforderungen, neue Gesetzesvorschriften und die rasante Entwicklung auf dem Gebiet der Versorgungstechnik sowie die ständige Vergrößerung des Verbandes in seinem räumlichen Wirkungsbereich erfordern eine laufende Fortbildung des Personals, um den vielseitigen Ansprüchen gerecht zu werden. Vom früheren "Wasserwart", einem Allround-Man hat sich das Berufsbild nun zur "Fachkraft für Wasserversorgungstechnik" gewandelt, ein Beruf, aus dessen Name man bereits die Spezialisierung ersehen kann.

Sicher gäbe es in der Geschichte des Zweckverbandes noch manches Nennenswerte, es würde aber den Rahmen dieser Schrift sprengen, all dieses aufzuführen.

Die Geschichte des Verbandes ist aber auch untrennbar mit Personen verbunden, die maßgebend am Aufbau und der Entwicklung des Verbandes beteiligt waren. Es ist uns Verpflichtung und Ehre, an Sie zu erinnern und ihre Leistung zu würdigen.

Bereits am Anfang wurde der Mitbegründer und langjährige 1. Vorsitzende Franz Schillinger genannt, ihm zur Seite stand der damalige Werkleiter Hans Hopf. Diesen beiden sowie allen anderen Personen, die, sei es in der Verbandsversammlung oder Werkausschuss, am Aufbau des Zweckverbandes mitgewirkt haben, werden wir immer ein ehrendes Gedächtnis bewahren.

Lorenz Reiter (Autor)